Sunday, July 17, 2022

Testbericht: Craft Pro Endur Distance - Lauffreude und Vielseitigkeit im attraktiven Gesamtpaket (German)

Artikel von Marcel Krebs & Nils Scharff

Craft Pro Endur Distance (150€)

Einleitung

Marcel: Recht unverhofft erhielten Nils und ich die Möglichkeit, den neuen Craft Pro Endur zu testen und ließen uns diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen. Nach einem kurzen Blick auf das Datenblatt war mir recht schnell klar, dass dies ein interessanter Schuh werden könnte. Mein erster Gedanke war, dass es sich hierbei um einen gutmütigeren und stabilisieren Saucony Speed handeln könnte. Da es sich hierbei um nicht weniger als meinen Straßenschuh des Jahres 2020 handelt, machte alleine schon dieser Gedanke Lust auf den ersten Testlauf. Inwieweit sich diese Prämissen in den intensiven Testwochen bestätigt haben, lest ihr in den nachfolgenden Kapiteln. So viel sei schon verraten: Die Tatsache, dass es bereits jetzt deutlich mehr als 100 Testkilometer geworden sind, ist auf jeden Fall schon mal ein gutes Zeichen…:-)



Nils: Da habe ich direkt etwas mit Marcel gemein. Ich hab nämlich auch schon verhältnismäßig viele Testkilometer im Craft Pro Endur Distance gesammelt. Knapp 170 an der Zahl. Es kommt selten vor, dass ein Schuh schon so viel mitmachen musste, bevor der Testbericht zu euch kommt und das ist definitiv ein gutes Zeichen! Ein entsprechendes Update zur Haltbarkeit des Schuhs können wir somit dann auch gleich geben und so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Was macht den Straßenlaufschuh der schwedischen Marke davon abgesehen interessant? Die sog. Px Mittelsohle! Deren Px Schaum stammt aus der gleichen Familie der TPE-Schäume wie bspw. Saucony’s PWRRUN PB und weist sehr ähnliche Eigenschaften auf. Im Vergleich zu klassischen EVA Schäumen ist das Material sehr leicht, relativ weich und bietet eine hohe Energierückgewinnung. Das sind natürlich all die Dinge, die wir Läufer in unseren Schuhen haben wollen, deshalb lasst uns gemeinsam herausfinden, ob der Craft Pro Endur Distance die hohen Erwartungen erfüllen kann.

Pro & Contra


Pro:

  • Die reaktive und lauffreudige Mittelsohle macht richtig Spaß (Marcel/Nils)

  • Der breite Leisten und die ausgestellte Ferse bieten gleichzeitig ein hohes Maß an Stabilität (Marcel/Nils)

  • Ein robustes Obermaterial und die - für einen Straßenschuh - profilierte Außensohle machen den Endur Pro zu einem sehr vielseitigen Schuh auch für (leichte) Trails (Marcel/Nils)

  • Sehr gute Passform mit angenehm viel Platz in der Zehenbox auch bei einem breiteren Vorfuß (Marcel/Nils)


Contra:

  • Obermaterial könnte komfortabler bzw. etwas weicher sein (dann allerdings um den Preis, dass die Robustheit leidet (Marcel/Nils) 

  • Atmungsaktivität könnte klar besser sein - vor allem jetzt im Sommer (Nils) 

  • Immer noch nicht die beste Gummimischung auf nassen Straßen (Nils)

Tester: 

Marcel Krebs  ist ein begeisterter Trail- und Hindernisläufer (OCR), der zunehmend auch den Straßenlauf für sich entdeckt. Neben seiner Faszination für Laufschuh-Innovationen für Straße und Trails begeistert sich Marcel auch für technische Gadgets aller Art.


Die Kombination aus einem zeitaufwändigen Bürojob in Verbindung mit einer gewissen Verletzungsanfälligkeit im Bereich der Sehnen und Waden gibt Marcel in seinen Schuh-Reviews auch eine besondere Perspektive auf die getesteten Modelle. Nämlich weniger die des Leistungssportlers, sondern vielmehr die eines ambitionierten Freizeitläufers. Wer zudem einen vergleichsweise breiten Vorfuß hat, sollte sich Marcels Eindrücke von den getesteten Modellen genauer ansehen.


Nils Scharff

Ich bin 32 Jahre jung, gebürtig aus Kassel, verheiratet mit einer wunderbaren Ehefrau und mache seit mittlerweile 6 Jahren Heilbronn und seine umliegenden Weinberge laufend unsicher. Ich habe schon mein ganzes Leben lang alle möglichen Sportarten betrieben, oft 5-7 Mal die Woche. Neben dem Laufen sind seit einigen Jahren das Klettern und Bouldern meine Sportarten. Als Läufer sehe ich mich seit erst drei Jahren. Begonnen hat alles mit einem Firmenlauf, in den ich nicht ganz unvorbereitet starten wollte. Ab dem Punkt habe ich einfach nicht mehr aufgehört. In 2017 waren es „nur“ knapp 1000 Laufkilometer, in 2018 das Doppelte, 2019 schon das Dreifache. Wichtig während all dieser Kilometer sind mir, egal ob auf Trail oder Straße, vor allem das Abschalten und die Bewegung in der Natur. Auf dem Laufband oder mit Kopfhörern werdet ihr mich nur sehr selten antreffen. Ich bin in der Zwischenzeit acht Marathons gelaufen, die PB von 2:52:38h habe ich dieses Frühjahr in Kopenhagen aufgestellt. Im Wettkampf laufe ich grundsätzlich alle Distanzen von 5km (17:32min), 10km (36:15min) über Halbmarathon (1:19:35h) bis eben zum Marathon.

 

 

Daten

Gewicht:

  Offiziell: 235 (Herren US9)

  Testschuhe: 

Marcel: 272g (rechts) bzw. 267g (links); EU 43,5 / US 10

Nils: 270g (links) bzw. 275g (rechts); EU 44 / US 10.5

Sprengung: 9mm (36mm Ferse / 27mm Vorfuß)

Release: Erhältlich im Fachhandel für 150€


Erster Eindruck und Passform

Marcel: Nach dem ersten Auspacken liegt der Craft Endur Pro zunächst einmal sehr schön leicht in der Hand. Diesen Eindruck bestätigt der Blick auf die Waage: knapp 270g für eine US-M10 (zur Größenfindung gleich mehr) sind wirklich gut für “so viel Schuh”. Neben der dicken Mittelsohle, die ebenfalls unweigerlich Erinnerungen an den Saucony Speed wach werden lassen, fällt zudem direkt das feste Obermaterial ins Auge. Beim ersten Reinschlüpfen ist dieses von innen jedoch überraschend komfortabel. 

Auch die Passform weiß zu überzeugen: In der Zehenbox findet auch mein eher breiter Vorfuß komfortabel Platz. Der Fersenhalt ist ebenfalls gut - da schlüpft nichts, auch nicht mein etwas kürzerer rechter Fuß. 

Insgesamt ist der erste Eindruck somit rundum positiv und die Passform fällt größengerecht aus (“true to size”). Hierbei ist es jedoch wichtig, vor dem Kauf einen Blick in die Größentabelle von Craft zu werfen. Denn anders als die meisten Hersteller bietet Craft auch in den EU-Größen Zwischengrößen an und rechnet die jeweilige Innensohlenlänge entsprechend exakt um. Dies bedeutet in meinem Fall, dass meine übliche Innensohlenlänge von 28cm war wie gewohnt in eine US-M10 konvertiert, diese bei Craft jedoch nicht wie bei den meisten Herstellern einer EU44, sondern einer EU 43,5 entspricht, die jedoch wie angegossen sitzt.


Die Schnürung ist zu Beginn ein wenig hakelig, ich würde jedoch nicht so weit gehen, dies als echten Nachteil des Craft Endur Pro zu bezeichnen - es dauert schlicht ein paar Sekunden länger als bei anderen Modellen, bis die Schnürung richtig fixiert ist und dann kann es auch schon losgehen. Zudem wurde es nach ein paar Läufen viel besser. Nerviges Nachschnüren o.ä. war bis dato ebenfalls nicht erforderlich.




Nils: Ich war ja zugegebenermaßen etwas skeptisch, als der Craft Pro Endur Distance bei mir ankam. Letztes Jahr durfte ich den CTM Ultra testen und dieser hat mir leider überhaupt nicht gepasst. Das Obermaterial war viel zu weit für meinen verhältnismäßig schmalen Fuß. Doch direkt auf den ersten Blick lässt sich schon erkennen, dass beim Pro Endur einiges anders ist. Das Obermaterial ist sehr viel strukturierter und erinnert fast schon an einen Trailschuh. Das verspricht viel Halt im Schuh. Auch die Außensohle ist für ein Road-Modell relativ stark strukturiert.

Am Fuß sitzt der Craft Pro Endur Distance für mich sehr gut. Das Obermaterial ist weit genug, um an nahezu jeden Fuß zu passen, doch lässt sich trotzdem so eng schnüren, dass man einen hervorragenden Halt im Schuh hat. Gerade rund um Ferse und Mittelfuß ist der Schuh auch etwas schmaler geschnitten. Das ganze passt dabei größenecht - im Vorfuß ist in alle Richtungen genügend Raum.

Wie Marcel schon sagt, müsst ihr bei der Größenfindung aufpassen. Richtet euch unbedingt nach US-Größen. So trage ich auf der US-Skala meine übliche 10.5, während die EU-Größe bei Craft nicht wie gewohnt 44 ½, sondern 44 heißt.


Obermaterial

Marcel: Was ich oben bereits angerissen hatte, lässt sich auf der Nahaufnahme gut erkennen: Das Obermaterial ist wirklich sehr dicht und fest. Daher ist der Craft Endur Pro ohne weiteres auch robust genug für den Einsatz auf Feldwegen und leichten Trails - den Kontakt mit Ästen etc. steckt das Obermaterial auf jeden Fall locker weg. Zur entsprechenden Eignung der Außensohle findet ihr unten weitere Erfahrungswerte im entsprechenden Abschnitt.


Vor diesem Hintergrund war ich positiv überrascht, dass sich das Obermaterial beim Tragen durchaus angenehm anfühlt. Zwar ist es nicht samtweich, fühlt sich jedoch auch nicht unangenehm an. Man vergisst einfach, dass man einen Schuh am Fuß hat und das ist ja auf jeden Fall auch schon mal ein gutes Zeichen. Selbst bei Temperaturen von knapp 30 Grad hat sich der Craft Endur Pro (mit dünnen Socken) auch nicht nennenswert aufgeheizt, was ich so nicht erwartet hätte.  


Auch wenn man es auf dem Foto vermutlich nicht wirklich gut erkennen kann: Die Zuge ist mit dem Obermaterial verbunden (gusseted tongue), was für einen jederzeit korrekt Sitz der selbigen sorgt. Darüber hinaus ist die Zunge im positivsten Sinne unauffällig: Sie ist schön dünn, um Gewicht zu sparen und für einen guten Sitz zu sorgen. Gleichzeitig ist sie für mein Empfinden gerade ausreichend gepolstert, damit die Schnürung nicht drückt - also alles genau richtig nach meinem Empfinden. Dass dies jedoch ein schmaler Grad ist, sieht man an den Eindrücken von Nils, der sich etwas mehr Polsterung gewünscht hätte. Ein bis zwei Millimeter mehr Polsterung dürfen es daher beim Nachfolger ruhig sein.

Nils: War das Obermaterial beim letztjährigen CTM Ultra noch ein No-Go für mich, bin ich beim Pro Endur ziemlich angetan. Die aufgebrachte, plastikartige Linienstruktur sorgt für überraschend viel Substanz und somit für viel Halt- und Haltbarkeit. Eine kaum sichtbare Lochung sorgt über die komplette Oberfläche für überraschend viel Atmungsaktivität. Der Pro Endur ist sicher nicht luftig zu nennen, doch wirklich negativ fällt er in Sachen Wärmeentwicklung auch nicht auf.

Polsterung ist nicht viel, aber ausreichend vorhanden. Einzig die beidseitig vernähte Zunge hätte ich mir etwas dicker gewünscht. Ich muss wie gesagt etwas fester schnüren, um meinem schmalen Mittelfuß genug Halt zu verschaffen. Und das sorgt zumindest für etwas spürbaren Druck durch die Schnürsenkel. 

Die steife und innenliegende Fersenkappe ist sehr hoch und umschließt die gesamte Fersenpartie. Zusätzlich ist sie sogar nochmals von Außen mit einem festen Überzug versehen. Das sorgt für zusätzliche Stabilität, was die Fähigkeiten des Craft als Allrounder auf leichten Trails weiter unterstreicht. 



Mittelsohle

Marcel: Kommen wir zum eigentlichen Herzstück des Craft Endur Pro, nämlich der Mittelsohle. Die technischen Eigenschaften hatte NIls oben ja bereits detailliert herausgearbeitet.Die Mittelsohle bietet einen sehr angenehmen und motivierenden Vortrieb (“bounce”), ohne dabei instabil zu wirken. Im Gegenteil: Nicht zuletzt aufgrund des vergleichsweise breiten Leistens (also quasi das Fundament des Schuhs), läuft sich der Craft Endur Pro bei sämtlichen Geschwindigkeiten sehr stabil. 

Craft ist es somit gelungen, dass die positiven Eigenschaften des verwendeten Mittelsohlenmaterials bestmöglich zur Geltung kommen. Die Stapelhöhe von 27mm (Vorfuß) bzw. 36mm (Rückfuß) bietet zudem jede Menge Dämpfung und Komfort auch und gerade auf längeren Distanzen. Hierzu gleich mehr im Abschnitt ‘Laufgefühl’.

Nils: Den besagten Px-Schaum hatte ich ja einleitend schon erwähnt. Nicht nur optisch erinnert dieser in seiner styroporartigen Struktur an Sauconys PWRRUN PB. Er ist ebenso leicht und reaktionsfreudig und im Drucktest vielleicht etwas weicher.

Optisch fällt die extrem prominente Ferse auf. Der Eindruck ihrer Höhe wird nochmals durch die nach hinten hervorstehende Mittelsohle verstärkt. Die Fersenkappe beginnt erst einen guten Zentimeter “im Schuh”, wodurch im hinteren Bereich sehr viel Stabilität entsteht. Die ganze Fersenpartie funktioniert wie eine Art Crashpad und die riesige Menge an Schaum macht vor allem bergab richtig Laune (wenn man mehr über die Ferse läuft).

Eine ebenso stabilisierende Wirkung hat, dass das Fußbett unterhalb des Scheitelpunkts der Mittelsohle liegt. Der Fuß steht also sozusagen einige Millimeter tief in der Mittelsohle.


Außensohle

Marcel: Was die Außensohle betrifft, so wird auf den ersten Blick deutlich, dass Craft trotz des geringen Gesamtgewichts keinesfalls an einer großzügigen Außensohlengummierung gespart hat. An den entscheidenden Stellen ist mehr aus ausreichend Sohlenmaterial vorhanden. Dazwischen gibt es auch Bereiche wo zugunsten von Flexibilität und Gewichtseinsparung auf eine durchgehende Außensohle verzichtet wurde. Diese Stellen wurden jedoch sehr geschickt gewählt, so dass die Mittelsohle auch nach mehreren Runden auf Feldwegen etc. nicht nennenswert in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dies liegt auch daran, dass die Außensohle so großzügig bemessen ist, so dass die Mittelsohle entsprechend Abstand vom Boden hat. 

Hinsichtlich des Grips der Außensohle hatte Craft in der Vergangenheit die ein oder andere Schwachstelle offenbart. Beim Endur Pro kann ich ich persönlich hingegen nur Positives berichten, bin allerdings bis dato auch größtenteils unter trockenen Bedingungen gelaufen. Bei meinen beiden Läufen bei regnerischem Wetter hatte jedoch selbst auf nassem Kopfsteinpflaster sicheren Halt.  

Nils: Wie Marcel schon sagt, hat Craft es geschafft verhältnismäßig viel Außensohlengummi an einen so leichten Schuh zu konstruieren. Das erhöht nicht nur die Haltbarkeit. Aufgrund der durch Ausschnitte geschaffenen Profilierung der Sohle, läuft sich der Craft Pro Endur Distance hervorragend auf leichten Trails, Park- und Waldwegen.

Nach mittlerweile 180 Testkilometern ist selbst die Mikroprofilierung auf dem Gummi an den meisten Stellen noch vorhanden. Einzig an der vordersten Spitze im Zehenbereich, sowie auf der medialen Seite der Ferse erkennt man langsam aber sicher etwas Verschleiß. Insgesamt spricht das sehr für die Haltbarkeit des Schuhs und ich glaube, dass man hier locker 800-1000 Kilometer für sein Geld bekommen kann.

Im Gegensatz zu Marcel habe ich es geschafft den Pro Endur einmal direkt nach einem Sommergewitter auszuführen. Und die Schwäche der letztjährigen Craft-Modelle, die nahezu gefährlich auf nassen Straßen waren, scheint behoben. Die Gummimischung fühlt sich nicht unbedingt klebrig an, aber Probleme hat sie mir auch nicht bereitet.

Laufgefühl

Marcel: Kommen wir jetzt zum entscheidenden Grund, warum ich im Craft Endur Pro binnen weniger Testwochen trotz einiger Paralleltests bereits über 100km absolviert habe: Er läuft sich schlicht und einfach extrem rund in nahezu allen Pacebereichen!

Zu Beginn der Testphase habe ich insbesondere bei schnelleren Geschwindigkeiten noch auf den Vortrieb einer (Nylon-) Platte gewartet, was vermutlich daran lag, dass ich parallel ein (Vorserien-) Modell des Saucony Endorphin Speed 3 testen durfte. Aber dafür kann der Craft Endur Pro schließlich nichts und dieser weiß vor allem auch trotz Ähnlichkeiten bei der Mittelsohle voll und ganz als eigenständiges Modell zu überzeugen. Der Craft Endur Pro macht nämlich auch bereits in vergleichsweise gemütlichem Tempo schon richtig Spass und man spürt schon bei einer 5:30er Pace einen schönen Vortrieb. So richtig auf Touren kommt er dann bei Geschwindigkeiten jeweils der 4:30er Marke. Aber auch bei ganz entspannten “Kilometersammeln” habe ich mit der Zeit immer öfter zum Endur Pro gegriffen, da dieser eine tolle Dämpfung mit einem vergleichsweise geringen Gewicht und sehr guter Stabilität vereinbart.

Nils: Tja, mir ging es genauso wie Marcel. Eigentlich konnte ich mich in letzter Zeit vor neuen Testschuhen kaum retten und trotzdem habe ich ein ums andere Mal zum Craft Pro Endur Distance gegriffen. Ich denke das allein ist schon ein Qualitätsprädikat. Doch wie kam es dazu? Nun, der Schuh macht einfach über so ein großes Spektrum von Läufen und Paces Spaß. Vom Tempolauf bis zur Erholungseinheit ist eigentlich alles eine Freude - vor allem dank der tollen Px Mittelsohle. Diese ist weich und bequem, aber zugleich energetisch und reaktiv. Außerdem haben PEBA Schäume einfach die angenehme Eigenschaft, dass sie schonender zum Bewegungsapparat sind. Gleichzeitig ist soviel inhärente Stabilität in diesem neutralen Schuh versteckt, dass er auch für leichte Überpronierer bedenkenlos empfohlen werden kann.

Last but not least: Der Schuh ist für die aller meisten meiner leichten Trails hier zwischen Weinbergen und Wäldern uneingeschränkt nutzbar. Tatsächlich habe ich mich vergangenes Wochenende dazu entschieden einen lokalen Traillwettkampf im Pro Endur zu bestreiten. Und was soll ich sagen? Es war genau die richtige Wahl! Ich hatte den ganzen Lauf über Freude mit dem Schuh, einzig am aller steilsten Offroad-Anstieg hätte ich mir die Stollen eines richtigen Trailschuhs herbeigewünscht. Doch vor allem beim Bergablaufen, hat der Craft dieses kleine Manko mehr als wett gemacht. Denn das meiner Meinung nach seine größte Stärke: Bergab die Handbremse lockern und richtig laufen lassen. Dann kommt so viel Energie zurück, dass man einfach grinsen muss!

Zusammenfassung und Empfehlung

Marcel: Für mich ist der Craft Endur Pro einer der wenigen Schuhe, der bestens für all jene geeingnet sind, die vielleicht nicht ganz so Schuh-Verrückt wie wir hier in der RTR-Crew sind und die mit ein bis zwei Modellen ein möglichst breites Einsatzspektrum abgedecken wollen. Natürlich gibt es für schnelle Intervalleinheiten oder sehr technische Trails besser geeignete Schuhe. Wer jedoch beispielsweise einen Schuh zum angemessenen Preis sucht, der von Intervalleinheiten bis hin zum Marathon nahezu sämtliche Geschwindigkeitsbereiche und Distanzen abbilden kann und dabei noch richtig Spaß macht, ist mit dem Craft Endur Pro bestens bedient. Daher bietet er sich auch als sehr gute Wahl für den Urlaub oder die Geschäftsreise an, wenn man eben nicht eine größere Auswahl an Schuhen für unterschiedliche Einsatzzwecke mitnehmen kann.  


Marcel’s Punktzahl: 9.18/10

Laufgefühl: 9.25 - Passform: 9 - Wert: 9.5 - Stil: 8.5

Nils: Vielseitigkeit ist hier das Zauberwort. Der Craft Pro Endur Distance funktioniert für mich in fast jedem Laufszenario. Ihr sucht einen weichen und bequemen Schuh, der außerdem etwas Stabilität für eure Erholungsläufe bietet? Check! Ihr sucht einen Schuh der Bounce und Spaß für eure täglichen Kilometer bietet? Check! Genug Dämpfung und Schutz für Longruns? Check! Energierückgewinnung und Vortrieb für Tempoläufe? Check! Verhältnismäßig wenig Gewicht, sodass auch Intervalle oder Wettkämpfe möglich sind? Check! Ein robustes Obermaterial, Seitenhalt und Grip für leichte Trails? Check? Von allen Schuhen, die ich hier bei RoadTrailRun über die letzten Jahre testen durfte, hat der Craft Pro Endur Distance das Prädikat “Ein Schuh für alles” mehr verdient als alle anderen. Chapeaux!

Nils’ Punktzahl: 9.48/10

Laufgefühl: 9.5 - Passform: 9.5 - Wert: 10 - Stil: 7.5

Vergleiche


Saucony Ride 15 (RTR Review) / Saucony Guide 15 (RTR Review)

Nils: Der Saucony Ride 15 war bisher mein heißester Anwärter auf den Titel “Daily Trainer des Jahres”. Doch der Craft Pro Endur Distance macht es ihm definitiv schwer! Die Px Mittelsohle ist einfach nochmal energetischer als Saucony’s neueste PWRRUN Mischung. Für den reinen Straßengebrauch ist es ein Vergleich auf Augenhöhe, den der Ride aufgrund eines etwas bequemeren und luftigeren Obermaterials leicht für sich entscheidet. Für den Craft spricht jedoch zusätzlich noch seine Trailtauglichkeit. Saucony EUR 44,5, Craft EUR 44.

Marcel: Ein kurzer Disclaimer vorab: Den Ride 15 habe ich nicht selber getestet, sondern dessen Stabilversion, den Guide 15. Da diese bis auf das Stabilisierungselement sowohl hinsichtlich des Obermaterials als auch hinsichtlich der Mittelsohle identisch sind, gebe ich hier dennoch meine Einschätzung ab, und diese fällt recht ähnlich aus wie die von Nils. Der Ride hat definitiv das atmungsaktivere Obermaterial. Die Mittelsohle ist fester und weniger “bouncy”, was letztendlich Geschmackssache ist. Wer auch mal auf Feldwegen etc. unterwegs ist, für den hat der Craft die Nase vorne. Passform bei beiden ist auf einem gleichsam hohen Niveau. Beide in US-10 (Craft: EU 43,5, Saucony: EU 44).

 

ASICS Gel-Nimbus 24 (RTR Review)

Nils: Stabilität, Energierückgewinnung, Komfort, Haltbarkeit - all das sind stärken des neuen Nimbus. Der Craft teilt diese Tugenden und muss einzig in Sachen Komfort des Obermaterials Abstriche machen. Er ist jedoch leichter und noch etwas energetischer, was ihn zu einer besseren Uptempo-Option und somit auch zum besseren Allrounder macht. Durch die Außensohle und das robuste Obermaterial kann er zudem auch Trails - wo der Nimbus nichts zu suchen hat. ASICS EUR 44,5, Craft EUR 44.

 

New Balance 1080v11 (RTR Review)

Nils: Beide Schuhe sind ähnlich stark gedämpft, bieten eine relativ leichte und energetische Mittelsohlen und leichte Rocker-Geometrie. In Sachen Außensohle und Stabilität hat der 1080 jedoch nichts in diesem Vergleich zu melden. Der Pro Endur macht beides deutlich besser, was ihn eben so vielseitig macht, während der 1080 auf ein schmaleres Pace-Spektrum und ausschließlich auf die Straße beschränkt ist. New Balance EUR 44,5, Craft EUR 44.

 

adidas Boston 10 (RTR Review)

Nils: Der Boston wurde letztes Jahr rundum erneuert und ist sogar nochmal mehr gedämpft als der Craft. Doch während der Craft leicht und angenehm bei jeder Laufgeschwindigkeit ist, braucht der Boston mehr Power um sein Potential zu entfalten. Die Mittelsohle aus LS, LS Pro und Energy Rods rollt vor allem während längerer Tempoläufe toll daher. Doch die ziemlich harte Mittelsohle macht auf langsamen Läufen wenig Spaß. Deshalb gewinnt der Craft dank des besseren Gesamtpakets. Beide EUR 44.

 

Endorphin Speed 2 (RTR Review)

Nils: Beide Schuhe sind sich nicht unähnlich. Beide verfügen über herausragende Mittelsohlen auf einer perlenartigen PEBA-Basis, die viel Energierückgewinnung bietet und die Beine schont. Doch der Speed ist nochmal ein gutes Stück leichter und tendiert durch den zusätzlichen Vortrieb seiner Nylonplatte mehr in die Richtung Tempo- und Wettkampf. Er ist jedoch weniger bequem, deutlich weniger stabil und auch die Außensohle ist beim Craft besser und vielseitiger. Saucony EUR 44,5; Craft EUR 44.

Marcel: Die Gemeinsamkeiten hinsichtlich des verwendeten Mittelsohlenmaterials hat Nils bereits sehr treffend beschrieben. Der entscheidende Unterschied - neben der fehlenden Nylonplatte im Endur Pro - ist auch meiner Sicht die deutlich geringere Stabilität des Speed 2 aufgrund des schmaleren Leistens. Darüber hinaus ist der Craft in der Zehenbox deutlich großzügiger geschnitten als der Speed 2. Beides sind hervorragende Schuhe, deren Einsatzbereich recht breit ist (bzw. sein kann). Der Craft ist jedoch primär ein sehr guter Daily Trainer, der auch den Ausflug auf leichte Trails nicht scheut und durchaus auch in schnelleren Geschwindigkeitsbereichen Spaß machen kann. Der Speed 2 hingegen ist primär ein hervorragender Schuh für schnellere (Long-) Runs, durchaus auch ein Kandidat für den Wettkampf wenn man sich hierfür nicht extra einen “Superschuh” kaufen kann oder möchte. Einen sauberen (neutralen) Laufstil vorausgesetzt, kann der Speed durchaus auch langsamer gelaufen werden, allerdings kann er dann nicht zuletzt aufgrund der schmalen Basis (Leisten) seine Stärken weniger gut ausspielen. Beide in US-10 (Craft: EU 43,5, Saucony: EU 44).


Puma Velocity Nitro 1 (RTR Review)

Nils: Auch der Velocity ist ein vielseitiger Dailytrainer, mit einer weichen und energetischen Mittelsohle. Doch die Mittelsohlengeometrie ist klassischer, der Schuh rollt nicht so schön ab und fühlt sich insgesamt flacher an. PUMA Grip ist das beste Außensohlenmaterial auf dem (Straßenschuh-) Markt, doch leider schafft Puma es nicht, die weiche Mittelsohle stabil zu halten, was die Nutzungsszenarien einschränkt. Auch das Obermaterial ist beim Craft besser. Craft gewinnt diesen Vergleich klar. Puma EUR 44,5, Craft EUR 44.

Marcel: Nils hat die Unterschiede bereits sehr exakt herausgearbeitet. Sofern man die richtige Größe erwischt hat (Craft und & rechnen beide in halbe EUR-Größen um; s.u.), ist die Passform recht ähnlich, insbesondere im Bereich der Zehenbox. Ansonsten liegt der Craft in fast allen Bereichen klar vorne. Beide in US-10 (Puma & Craft jeweils EU 43,5). 

 

Saucony Tempus (RTR Review)

Nils: Ein angebrachter Vergleich, sind doch beides Schuhe der raren Gattung “PEBA Mittelsohlen ohne Platte”. Habe ich bisher oft davon gesprochen, dass der Craft viel inhärente Stabilität bietet, macht der Tempus das mit seiner Ausrichtung als Stabilitätsschuh natürlich nochmal besser. Craft ist ein stabiler Neutralschuh, Tempus ist ein Stabilitätsschuh für Neutralläufer. Auch der Tempus hat ein trail-artiges Obermaterial, weshalb sich beide Schuhe auch in Sachen Atmungsaktivität nichts nehmen - beide machen das gut, aber nicht perfekt. Die Profilierung der Außensohle macht den Craft jedoch zur besseren Wahl auf leichten Trails. Die Mittelsohle des Craft ist weicher, bequemer und vor allem energetischer. Der Craft läuft sich trotz gleichem Gewicht deshalb deutlich dynamischer und eignet sich besser für schnelle Sachen oder die Tempowechsel eine hügeligen (Wettkampf-) Strecke. Der Saucony will lieber eine fixe Pace und in dieser dahin cruisen. Saucony EUR 44,5, Craft EUR 44.

 

Marcel: Auch hier hat Nils bereits alle wesentlichen Punkte herausgearbeitet. Der Craft macht mehr Spaß und alles ein wenig besser als der Tempus. Wem das Thema STabilität wichtig ist, sollte sich jedoch durchaus auch den Tempus einmal näher ansehen. Auch hier erfolgt die Stabilisierung jedoch sehr dezent, was für Neutralläufer, denen es einfach nur um etwas Führung bei müde werdenden Beinen am Ende eines Longruns geht, natürlich ein Vorteil ist. Beide in US-10 (Craft: EUR 43,5; Saucony: EU 44)


Saucony Endorphin Speed 3 (RTR Review)

Marcel: In diesem Vergleich hat der Craft, obwohl er ein wirklich toller Schuh ist, den denkbar schwersten Stand. Dies liegt schlicht daran, dass der Speed 1, nicht nur mein Schuh des Jahres 2020 war, sondern auch einer meiner Alltime-Favorites, der sich bis heute in meiner Schuhrotation befindet. Während mir das Obermaterial des 2er nicht zugesagt hatte (die Zehenbox bot für breite Vorfüße schlicht zu wenig Platz), ist Saucony mit dem Speed 3 noch einmal ein echter Sprung nach vorne gelungen: Das Obermaterial ist nunmehr herrlich weich und atmungsaktiv. Zudem ist die Zehenbox deutlich großzügiger gestaltet und auch die Basis (Leisten) nunmehr deutlich breiter, insbesondere im Fersenbereich. Dadurch ist der Speed 3 bereits deutlich stabiler. Zudem erhielt die Nylonplatte seitliche “Querstreben” (sog. Wings), die dem Schuh zusätzliche Stabilität verleihen. Somit ist der Speed 3 nunmehr auch eine sehr gute Option als Daily Trainer und ein Schuh, der keine echte Schwäche mehr hat, wäre da nicht die Fersenkappe. Diese ist beim Speed 3 recht stark hin zur Ferse geneigt, was bei meinem Vorserienmodell bereits nach 10km zu schmerzhafter Blasenbildung an der Achillessehne führte. Ein finales Urteil kann ich mir daher noch nicht erlauben, da die Lieferung des Serienmodells noch aussteht. Diesen Punkt außen vor gelassen muss sich der Craft gegenüber dem Speed in allen Punkten mit Ausnahme der Außensohle knapp geschlagen geben aufgrund der Nylonplatte und der daraus resultierenden Lauffreude sowie des herausragenden Obermaterials, das jedoch ausschließlich für die Straße geeignet ist. Wer also auch gerne mal auf leichten Trails unterwegs ist, auf eine Platte verzichten kann und rund 40 EUR sparen möchte, findet im Craft eine sehr gute Alternative. Beide in US-10 (Craft: EU 43,5; Saucony: EU 44).


Link zum englischen RTR-Test des Craft Pro Endur Distance: HIER

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Die Schuhe, die Grundlage dieses Tests sind, wurden uns von Craft kostenlos zur Verfügung gestellt. Die dargestellten Meinungen sind unsere eigenen.

 

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