Sunday, July 11, 2021

Testbericht: Brooks Ghost 14 - Ein bequemer Schuh für jede Lebenslage!

Article by Nils Scharff

Link zum englischsprachigen Testbericht des Brooks Ghost 14: HIER

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Brooks Ghost 14 (140€)


Einleitung

Der Ghost ist einer der beliebtesten Trainer von Brooks. Es handelt sich um einen neutralen Schuh mit moderatem Gewicht, 12mm Sprengung und klassischer Sohlengeometrie. Obwohl sich der Schuh einer großen Fangemeinde erfreut und fast schon Klassiker genannt werden darf, hatte ich noch nie einen Ghost am Fuß. Vor allem die 12mm Sprengung haben mich immer abgeschreckt, klingen sie doch nach Problemen für meinen überpronierenden, rechten Knöchel. Zudem ist es zugegebenermaßen einfach so, dass sog. Daily-Trainer für mich nie besonders sexy waren. Wenn man unzählige Paar Laufschuhe zu Hause hat, hat man eben für jede Situation “den richtigen” bzw. einen Favorit. Ein Schuh, der im Zweifel das gesamte Lautrepertoire abbilden kann, ist da einfach nicht gefragt. Ich bin trotzdem sehr gespannt, da ich lange nichts von Brooks gelaufen bin. Und schließlich kommt einer meiner Allzeit-Favoriten aus Seattle - der Ravenna 9! Ob der neue Ghost da mithalten kann, wage ich zu bezweifeln. Aber ich freue mich trotzdem ihn auf Herz und Nieren zu testen.


Pro & Contra

Pro:

Weiche, aber nicht zu weiche Mittelsohle - da ist durchaus Pep drin!

Smoothes Laufgefühl dank gutem Flexpunkt im Vorfuß!

Toller Cruiser für langsame bis moderate Geschwindigkeiten!

Super angenehmes Gefühl am Fuß!


Contra:

Das Obermaterial ist im Vofuß ziemlich unstrukturiert - nichts für steile Sachen oder Trails!

Ich merke die 12mm Sprengung und hätte gern weniger davon!

Wer Stabilität in seinen Laufschuhen sucht, braucht diese im Ghost nicht zu suchen!


Tester: Nils Scharff

Ich bin 31 Jahre jung, gebürtig aus Kassel, verheiratet mit einer wunderbaren Ehefrau und mache seit mittlerweile 5 Jahren Heilbronn und seine umliegenden Weinberge laufend unsicher. Ich habe schon mein ganzes Leben lang alle möglichen Sportarten betrieben, oft 5-7 Mal die Woche. Neben dem Laufen sind seit einigen Jahren das Klettern und Bouldern meine Sportarten. Als Läufer sehe ich mich seit erst drei Jahren. Begonnen hat alles mit einem Firmenlauf, in den ich nicht ganz unvorbereitet starten wollte. Ab dem Punkt habe ich einfach nicht mehr aufgehört. In 2017 waren es „nur“ knapp 1000 Laufkilometer, in 2018 das Doppelte, 2019 schon das Dreifache. Wichtig während all dieser Kilometer sind mir, egal ob auf Trail oder Straße, vor allem das Abschalten und die Bewegung in der Natur. Auf dem Laufband oder mit Kopfhörern werdet ihr mich nur sehr selten antreffen. Ich bin in der Zwischenzeit sechs Marathons gelaufen, die PB von 2:57:10h habe ich dieses Jahr trotz Corona im Rahmen eines #stayathomemarathons aufgestellt. Im Wettkampf laufe ich grundsätzlich alle Distanzen von 5km (17:32min), 10km (37:32min) über Halbmarathon (1:22:56h) bis eben zum Marathon.


Daten

Gewicht:

  Offiziell: 280g (Herren US9)

  Testschuh: 304g (Herren EU 44,5 / US 10.5)

Sprengung: 12mm (36mm Ferse / 24mm Vorfuß)

Release: Ab 29.6. erhältlich im Fachhandel für 140€



Erster Eindruck und Passform

Nun hat es der Brooks Ghost 14 trotz meiner Vorbehalte irgendwie zu mir geschafft. Es war quasi ein Überraschungspaket, das Brooks mir da geschnürt hatte. Und was soll ich sagen? Der erste Eindruck des unverhofft aufgetauchten Ghost 14 ist durchaus positiv! Zum einen gefällt mir die frische Farbe. Das blau sieht irgendwie nach Sommer aus und der orangene Kontrast macht sich wirklich gut. Zum anderen ist das Gefühl beim ersten hineinschlüpfen wirklich gut. Brooks setzt hier voll auf ein bequemes Gefühl am Fuß und ich kann direkt nachvollziehen, warum sich viele Laufschuhkäufer vom Ghost überzeugen lassen.

Meine Standardgröße US 10.5 / EUR 44,5 passt super - der berühmte Daumen ist nach vorn Platz. Das leicht stretchige Obermaterial schmiegt sich angenehm um den Fuß, die Zehenbox ist angenehm weit. Also auf den ersten Blick erstmal alles so wie es sein soll!


Obermaterial

Das Obermaterial des Brooks Ghost 14 besteht in Vorder- und Mittelfuß aus einem zweilagigen Mesh-Material. Die innere Lage ist fein gearbeitet und fühlt sich entsprechend angenehm am Fuß an. Die äußere Lage kommt unterschiedlich stark perforiert daher, was für eine gute Atmungsaktivität sorgt. Leider ist schon fast zu viel Volumen im Vorfuß vorhanden, was den Halt im Schuh negativ beeinträchtigt. Solange man locker dahin läuft ist alles gut. Aber steile Passagen, enge Kurven oder hohe Tempi mag der Ghost 14 nicht wirklich. Hier hätte dem Obermaterial ein bisschen mehr Struktur gut getan.

Im Mittelfuß findet sich ein ähnliches Bild. Zwar sorgt das etwas dicker auftragende Brooks Logo auf beiden Seiten für etwas zusätzliche Struktur, doch hier fehlt mir eine mit dem Leisten vernähte Zunge um für einen besseren Seitenhalt zu sorgen. 

Die Zunge selbst ist dick aufgepolstert und genau wie der Rest des Schuhs super bequem. Vor unangenehmen Druck durch die Schnürsenkel braucht man keine Angst zu haben.

Auch Einstieg und Ferse sind - wer hätte das gedacht - stark gepolstert und sehr bequem. Hier passt für mich jedoch auch Passform und Halt. Die Ferse hält bombensicher. Dabei hilft eine hoch wie weit ausgeprägte, steife Fersenkappe. Die sorgt auch für ein ordentliches Maß an Stabilität!




Mittelsohle

Die Zwischensohle des Brooks Ghost 14 besteht zu 100 % aus DNA Loft. Im Vergleich zum Vorgänger ist das eine Neuerung, genauso wie die Sohlengeometrie. Diese wurde insofern modifiziert, dass sie flüssigere Abrollbewegungen ermöglichen soll. Wie sich diese beim Vorgänger angefühlt haben, kann ich nicht sagen. Beim Ghost 14 fühlt sich der Flexpunkt und die entsprechenden Übergänge auf jeden Fall richtig gut an! Ich denke die angedeutete Segmentierung könnte dazu beitragen.

Auch das DNA Loft Material gefällt mir gut. Es ist weich - vor allem in der massiven Ferse - aber nicht zu weich. Gleichzeitig bietet es eine gute Portion von Energierückgewinnung. Es erinnert mich an eine weichere und etwas energetischere Variante von Sauconys PWRRUN. Auch Nike’s React Material ist ein guter (weil ähnlicher) Vergleich. 

Ansonsten gibt es zur MIttelsohle nicht viel zu sagen. 24mm Dämpfung im Vorfuß sind genug Schutz selbst für lange Läufe. Die 36mm in der Ferse natürlich umso mehr. Die resultierenden 12mm Sprengung empfinde ich als sehr viel - für viele Fans machen jedoch genau diese den Ghost aus.



Außensohle

Die Außensohle des Brooks Ghost 14 besteht aus zweierlei Gummimischungen. Die L-förmige Gummiapplikation in der Ferse ist fest und sehr haltbar, während der Rest der Außensohle aus einem weicheren Gummi gefertigt ist. Dies führt natürlich zu einer verbesserten Haltbarkeit im Fersenbereich und gleichzeitig für mehr Grip im Vorfuß. Auch das Laufgeräusch wird dadurch positiv beeinflusst - der Ghost 14 läuft sich tatsächlich geisterhaft leise.

Wie schon erwähnt, wurde die Segmentierung im Vorfuß im Vergleich zum Ghost 13 angepasst. Laut meinen Mittestern aus den USA führt dies zu einer verbesserten Stabilität und mehr Pep im Vorfuß. Zwar fehlt mir dieser Vergleich, jedoch gefällt mir der Abrollvorgang auf jeden Fall sehr gut. Mittel- und Außensohle wirken wie aus einem Guss.

Nicht zuletzt sei erwähnt, dass durch das zusätzliche Gummi auf der medialen (Innen-) Seite zusätzliche Stabilität erzeugt wird.


Laufgefühl

Der Brooks Ghost 14 läuft sich vom ersten bis zum letzten Schritt angenehm und bequem. Außer dem Komfort sticht kein Attribut wirklich hervor, aber da sich der Schuh auch kaum einen Fehler erlaubt, ist das auch gar nicht notwendig. Vor allem für langsame Erholungsläufe oder auch moderat schnelle Läufe jeder Länge lässt der Ghost 14 kaum Wünsche offen. Und selbst bei etwas zügigerem Tempo war er keineswegs im Weg.

Die Abrollvorgänge sind smooth, die Mittelsohle nicht zu weich und nicht zu fest. Selbst über ein gutes Maß an Stabilität verfügt der Schuh - entgegen meiner ursprünglichen Befürchtungen. Für “richtige” Überpronierer, gibt es natürlich trotzdem geeignetere Modelle. Vor allem im Obermaterial bietet der Ghost für diese einfach nicht genügend Struktur. Gleiches gilt für wirklich schnelle Läufe. Aber ansonsten gibt es an Brooks “Schuh für alles” kaum etwas zu meckern. Ich kann gut sehen, dass er vor allem für Laufanfänger bzw. Gelegenheitsläufer ein toller Schuh ist, der jedes Mal wenn er aus dem Regal geholt wird für ein komfortables Lauferlebnis sorgt.



Zusammenfassung und Empfehlung

Ich muss zugeben, dass ich keine großen Erwartungen hatte, als der Ghost 14 bei mir ankam. Aber Brooks hat mich mit einem modern anmutenden und smooth zu laufenden Daily-Trainer überrascht. Klar, wie oben erwähnt, ist der Ghost nicht mein Schuhtyp. Meine Überpronation lässt mich naturgemäßg von weichen Mittelsohlen und hohen Sprengungen Abstand nehmen - zwei der Kernattribute des Ghost 14. Aber für jeden, der keine Stabilitätsprobleme im Fußgelenk hat, ist der Ghost 14 eine gute Option. Gerade für jeden mit nur einem Laufschuh im Regal ist der Ghost 14 einen Blick wert!


Wertung: 8.08/10

Laufgefühl: 8 (50%) Passform: 7.5 (30%) Preisleistung: 9 (15%) Style: 9.5 (5%)

Die einzigen kleinen Beschwerden, die ich habe, sind der ein wenig locker sitzende Mittel- und Vorfuß sowie etwas zu viel Gewicht. Ansonsten würde ich mir eine geringere Sprengung wünschen - 26/34mm im Ghost 15 wären aus meiner Sicht ein Traum. Aber das würde viele Ghost-Fans wahrscheinlich verärgern, weshalb Brooks vermutlich gut daran tut am bewährten Konzept festzuhalten. 

Vergleiche


ASICS GEL-Cumulus 23 (RTR Review)

Der Cumulus ist ein sehr ähnlicher Schuh, den ich gerade Teste. Seine Mittelsohle ist irgendwie faszinierend, da sie sich sowohl härter, als auch weicher anfühlt. Ich glaube das liegt an den Lasereinschnitten, die ASICS innerhalb der grundsätzlich festeren Mittelsohle platziert hat. Ich mag die Mittelsohle des Ghost jedoch lieber, sie fühlt sich irgendwie lebendiger an. Der Cumulus bringt durch weniger Sprengung, härtere Mittelsohle und einen besseren Lockdown mehr Stabilität mit. Auch eignet er sich besser für schnellere Sachen, kann ein breiteres Spektrum abdecken. Doch für langsame bis moderate Läufe mag ich den Ghost lieber. Beide passen größenecht.


New Balance Fresh Foam 1080  (RTR Test)

Der 1080v10 war einer der besten Daily-Trainer des letzten Jahres, der v11 ist einer der besten aus 2021. Die Ferse scheint ein Hit oder Miss beim NB zu sein, aber da sie mir sehr gut passt, liebe ich sie. Das der 1080 läuft sich weich, aber energetisch, der dezente Rocker sorgt für ein tolles Abrollverhalten und ein wenig Stabilität. Ich weiß nicht warum, aber der 1080 funktioniert sogar an meinem überpronierenden rechten Knöchel. Der 1080 wiegt eine ganze Ecke weniger und ist von vorn bis hinten der bessere Schuh - ist jedoch auch teurer. Der Ghost hingegen hat die weichere Ferse, ist bequemer und neigt zu entspannteren Läufen. Beide 44,5 EUR.


Saucony Ride 13/14 (RTR Test)

Im Vergleich zum Ghost fühlt sich der Ride in Sachen Mittelsohle etwas outdated an. Sie ist etwas fester und weniger lebendig. Beide Schuhe sind sehr bequem gepolstert, der Ride übertreibt das fast. Er bietet jedoch auch deutlich mehr Struktur im Obermaterial und dadurch Stabilität. Der Ride ist vielseitiger, kann auch schnelle Sachen. Der Ghost ist dafür bequemer, wenns gemütlicher zugehen darf. Beide 44,5 EUR.


Puma Velocity Nitro (RTR Test)

Die Velocity war in diesem Jahr eine der größeren Überraschungen. Pumas Nitro-Schaum ist genauso wie DNA-Loft auf der weicheren Seite - jedoch nochmal weicher und energetischer als das, was Brooks zu bieten hat. Gleichzeitig ist der Velocity durch die geringere Sprengung von 8mm und einen besseren Halt im Mittelfuß stabiler als der Ghost. Während die Außensohle des Ghost gut ist, ist die des Puma eine der besten, die ich bisher erlebt habe. Der Ghost ist für langsamere Sachen ebenbürtig, für alles andere wird er jedoch vom Velocity geschlagen. Im Velocity muss man eine halbe Größe kleiner wählen.


YouTube Playlist mit englischsprachigen Laufschuhtests



Die Laufbiographien aller RTR-Tester könnt ihr hier lesen. 

Der Schuh, der Grundlage dieses Tests ist, wurde mir von Brooks kostenlos zur Verfügung gestellt. Die dargestellten Meinungen sind meine eigenen.

Ich freue mich über Kommentare und Fragen in der Kommentarrubrik.

Um bestmöglich auf eure Fragen einzugehen, nennt nach Möglichkeit euer Laufpensum, Geschwindigkeiten, Renndistanzen und eure aktuellen Schuhe.

 

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3 comments:

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Nils said...

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